Kongress & Tagung
Kongressfotograf Heidenheim: Mensch.Industrie.Netz 2026 an der DHBW
Kurz gesagt: Am 7. Mai 2026 lief die Mensch.Industrie.Netz an der DHBW Heidenheim von 16 bis weit nach 19:30 Uhr, unter dem Titel „ZUKUNFTSANGST: Wie wir die Zukunft meistern“: Zukunft Competition Ostalb, Keynote von Harry Gatterer, Brief und Rap aus der Zukunft, Podium. Die MIN habe ich zum ersten Mal 2016 fotografiert.
Die MIN 2026 trug den Titel „ZUKUNFTSANGST: Wie wir die Zukunft meistern“. Das ist bemerkenswert offensiv für eine Wirtschaftsveranstaltung. Solche Abende heißen sonst „Impulse“ oder „Perspektiven“; hier stand das Wort, um das es eigentlich geht, in der Überschrift.
Und das Programm löst den Titel ein: Der Keynotespeaker argumentiert gegen die Opferrolle gegenüber der Zukunft, der künstlerische Teil heißt „Brief und Rap aus der Zukunft“, und am Ende diskutiert ein Podium darüber, dass Scheitern zur Entwicklung gehört. Vier Programmpunkte, eine Frage.
Die Mensch.Industrie.Netz, kurz MIN, ist das Format, mit dem die Stadt Heidenheim und die DHBW Heidenheim die Wirtschaft der Region an einen Tisch bringen. Getragen wird sie gemeinsam mit der Agentur Graustich, dem digiZ | Ostwürttemberg, dem Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg und fion. Am 7. Mai 2026 fand sie in den Räumen der Dualen Hochschule statt.
Der Ablauf
| Uhrzeit | Programmpunkt |
|---|---|
| 16:00–16:30 | Einlass |
| 16:30–16:45 | Begrüßung |
| 16:45–17:45 | Zukunft Competition Ostalb |
| 17:45–18:15 | Keynote Harry Gatterer |
| 18:15–18:30 | Brief und Rap aus der Zukunft |
| 18:30–19:30 | Podiumsdiskussion mit Gästen und offener Fragerunde |
| ab 19:30 | Get-together |
Das eigentliche Thema war das Licht
Der Veranstaltungsraum an der DHBW ist lichtdurchflutet: Eine Seite ist eine durchgehende Glasfassade. Für eine Veranstaltung ist das angenehm. Für die Fotografie ist es die eigentliche Aufgabe des Abends.
Eine Glasfront macht nämlich zwei Dinge gleichzeitig. Sie macht Tageslicht zur bestimmenden Lichtquelle im Raum — und sie macht es gerichtet. Das Licht kommt von einer Seite, nicht von überall.
Das Problem im Raum
Daraus folgt eine Schwierigkeit, die nichts mit der Uhrzeit zu tun hat, sondern mit dem Platz: Wer nah an der Glasfront sitzt, wird von kühlem Tageslicht beleuchtet. Wer weiter hinten sitzt, überwiegend vom wärmeren Kunstlicht der Decke.
Beide sind im selben Bild, sobald man das Publikum von vorne fotografiert. Für so eine Aufnahme gibt es keinen richtigen Weißabgleich, sondern nur die Entscheidung, welche Hälfte des Raums stimmen soll. Dasselbe gilt für die Blickrichtung: Wer zur Glasfront hin fotografiert, hat einen sehr hellen Hintergrund, wer von ihr weg fotografiert, hat ihn im Rücken der Zuhörer.
Das Problem über die Zeit
Der Abend beginnt um 16 Uhr — und er endet nicht im Dunkeln. Das ist der Punkt, den man von außen falsch einschätzt.
Am 7. Mai geht die Sonne in Heidenheim erst um 20:42 Uhr unter. Beim Einlass steht sie noch 44 Grad über dem Horizont, zum Get-together um halb acht nur noch zehn Grad. Während des gesamten Programms wird es also nie dunkel. Trotzdem sackt die Sonne über die Veranstaltung um mehr als dreißig Grad ab, und das verändert drei Dinge.
Die Menge. Zu Beginn ist Tageslicht die bestimmende Lichtquelle, gegen Ende nur noch ein Anteil. Das Kunstlicht bleibt konstant und übernimmt dadurch nach und nach die Führung, ohne dass jemand einen Schalter umlegt.
Die Farbe. Hochstehende Nachmittagssonne ist deutlich kühler als Kunstlicht, tiefstehende Abendsonne deutlich wärmer. Der Weißabgleich, der um vier Uhr richtig war, ist um halb acht falsch. Und weil sich beide Lichtfarben annähern, verschwindet der Fenster-Raum-Unterschied von oben nicht etwa — er kehrt sich im Lauf des Abends um.
Die Richtung. Um 16 Uhr fällt das Licht steil durch die Glasfläche ein und bleibt in Fensternähe. Um halb acht kommt es fast waagerecht herein und reicht viel weiter in den Raum. Die helle Zone wandert über den Abend durch den Saal.
Deshalb wird an so einem Abend nicht einmal eingestellt und dann durchfotografiert, sondern laufend nachgezogen. Wer das versäumt, merkt es erst in der Bearbeitung — und hat dann eine Bildstrecke, deren erstes Drittel anders aussieht als das letzte. Bei einer Veranstaltung, deren Bilder später nebeneinander in einer Galerie stehen, fällt genau das auf.
Was der Zeitplan fotografisch bedeutet
Die drei Blöcke des Abends sind sehr unterschiedlich lang, und daran hängt der ganze Arbeitsrhythmus.
Die Zukunft Competition Ostalb bekommt mit einer vollen Stunde den größten Teil. Das ist der ruhigste Abschnitt: Unternehmen und Gründer aus der Region zeigen ihre Projekte, man kann sich Zeit nehmen. Die Aufgabe ist Messearbeit im Kleinformat — Produkt und Mensch müssen ins selbe Bild, sonst ist es entweder ein Katalogfoto oder ein Porträt, aber kein Beleg dafür, dass hier jemand etwas entwickelt hat.
Die Keynote von Harry Gatterer dauert dagegen nur dreißig Minuten, Brief und Rap aus der Zukunft nur fünfzehn. In diesen 45 Minuten müssen der Redner am Pult, eine lesbare Projektion, das Publikum von vorne und beide Auftretenden im Kasten sein. Gatterer sprach über den Umgang mit Zukunft, mit der Kernthese, dass man ihr gegenüber leicht in eine Opferrolle gerät statt sie zu gestalten. Die fotografische Schwierigkeit bei jedem Vortrag mit Projektion ist dieselbe: Die Leinwand ist heller als der Mensch davor. Solange Tageslicht im Raum steht, wird dieser Abstand größer, nicht kleiner.
Beim künstlerischen Teil traten der Rapper Billity und die Poetin Anni El-Khorazati auf. Bewegung, kein Blitz — technisch näher an Konzertfotografie als alles andere an diesem Abend, und das in einem Viertelstundenfenster.
Die Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Kaßner und Frank Ilg unter der Moderation von René Götzenbrugger hat wieder eine volle Stunde. Ein Podium ist trotzdem die undankbarste Aufgabe: mehrere Menschen in einer Reihe, unbewegt. Brauchbare Bilder entstehen dort nur über Reaktionen — jemand hört zu, jemand widerspricht, jemand lacht. Die offene Fragerunde ist dabei der wertvollste Teil, weil dort zum einzigen Mal an diesem Abend Publikum und Bühne im selben Bild vorkommen können.
Die Grußworte kamen von Prof. Dr. Marcus Hoffmann, Rektor der DHBW Heidenheim, und von Oberbürgermeister Michael Salomo, der die Investitionen der Stadt in ihre Infrastruktur in der Größenordnung einer halben Milliarde Euro einordnete.
Was vorher feststeht
Bei einem Programm mit sieben Punkten, drei sehr unterschiedlich langen Blöcken und einer Reihe benannter Beteiligter entscheidet nicht die Bildidee, sondern die Vollständigkeit. Ich gehe den Ablaufplan vor dem Termin durch und markiere, was es zwingend geben muss: Redner am Pult, Publikum von vorne, jedes Competition-Projekt mindestens einmal, alle Podiumsteilnehmer einzeln, dazu das Get-together. Was darüber hinaus entsteht, entsteht.
Genau das ist der Unterschied zwischen einer Veranstaltung mit Fotos und einer Veranstaltung, deren Programm hinterher belegt ist. Wie ich Kongresse und Tagungen plane, steht auf der Seite zur Kongressfotografie. Weitere Arbeiten aus der Region finden Sie unter Eventfotograf Heidenheim.
Nicht die erste MIN
Die Ausgabe 2026 war nicht mein erster Termin bei diesem Format. Fotografiert habe ich sie zum ersten Mal 2016, bei der allerersten Ausgabe, damals noch als Angestellter der Agentur Graustich, die bis heute zu den Trägern der Veranstaltung gehört. Danach war ich mehrfach wieder dabei, allerdings nicht durchgehend. Zwischen der ersten Ausgabe und dieser liegen zehn Jahre.
Das ist auch der Grund, warum oben so viel über Licht und Zeitplan steht und so wenig über Ausrüstung. Bei einem Format, das man kennt, verschiebt sich die Arbeit nach vorne: Man weiß vorher, wo die Glasfront steht, dass die Sonne über den Nachmittag um dreißig Grad absackt und dass die helle Zone dabei durch den Raum wandert — und stellt sich darauf ein, statt es im Nachhinein zu reparieren.
Das Bewegtbild lag an diesem Abend übrigens nicht bei mir, sondern bei einem anderen Team. Wo Foto und Video gemeinsam gebucht werden, arbeite ich anders, das steht unter Videoproduktion.
Die Veranstaltung in Zahlen
| Titel | ZUKUNFTSANGST: Wie wir die Zukunft meistern |
| Datum | 7. Mai 2026, 16:00 bis nach 19:30 Uhr |
| Ort | DHBW Heidenheim, Raum mit durchgehender Glasfassade |
| Veranstalter | Stadt Heidenheim und DHBW Heidenheim |
| Partner | Agentur Graustich, digiZ | Ostwürttemberg, Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg, fion |
| Keynote | Harry Gatterer, Zukunftsforscher |
| Sonnenuntergang | 20:42 Uhr, also nach dem Programm |
| Meine Rolle | Fotografie; erstmals bei der MIN 2016, danach mehrfach |